Mit der D-EWMN ins schwedische Fliegerparadies.


20.Juni:

Mit vollbeladener MN geht es Richtung Norden, erstmal nach Lübeck. Für uns (Heiko / Uwe) wird diese Tour der erste Sprung über das meist kalte Wasser der Ostsee in das so viel gepriesene Fliegerparadies Schweden.

Lübeck

Der Zwischenstopp in Lübeck ist zum Tanken und für die Flugplanaufgabe vorgesehen. Je näher wir Lübeck kommen, um so mehr sinkt die Wolkenbasis und einige Schauer stellen sich quer. Bis jetzt alles noch VMC, auch wenn es schon langsam knapp wird, endlich in Lübeck. Nach ca. 1 Stunde sind wir wieder abflugbereit. Der Himmel sieht nun auch etwas freundlicher aus. Auf dem Vorfeld treffen wir eine Piperbesatzung, die auch nach Norden will, Oslo ist das Ziel, allerdings IFR. Das letzte Stück über Deutschland fliegen wir unter der Kontrolle von Bremen Information. In Küstennähe wird das Wetter zusehends besser. Mit dem Erreichen der Insel Fehmarn erfolgt auch der Wechsel zu Kopenhagen Information.


Wir folgen jetzt ein Stück der Vogelflug-Linie. Der Fehmarnbelt mit seinen 18 km Wasser gleitet unter den Flächen der MN dahin.


Fehmarn Im Sonnenschein liegend begrüßen uns die Dänischen Inseln, als erste Lolland. Der Flug verläuft ruhig, nur ab und zu werden wir vom Controller zur Höhenkorrektur aufgefordert. Die Flugstrecke führt uns südwestlich am Kopenhagener Luftraum vorbei, weiter Richtung Nordwest bis zur Westküste Seelands. Am Horizont taucht die schwedische Küste auf. Der Controller entlässt uns mit SQUAK VFR, da wir in Höganäs landen wollen. Auf dem blauen Wasser des Öresund kämpfen Segelboote gegen Wind und Wellen. Wir rasten die Platzfrequenz und setzen unseren Anruf ab, keine Antwort. Sicherheitshalber überfliegen wir den Platz in ausreichender Höhe und beobachten den Luftraum auf fliegerische Aktivitäten. Auf dem Platz sind 2 Flugzeuge vor den Hallen und eines an der Tankstelle zu sehen. Die beiden Bahnen sind frei. Den weiteren Funkverkehr setzen wir als Blindmeldung ab. Über die 32 geht es zur Landung. Wenige Minuten später rollt die MN zu dem Gebäude des ansässigen Fliegerklubs. Beeindruckend ist der sehr gute Zustand der Grasbahnen.


Anflug Höganäs Höganäs
Jetzt gilt es erst einmal den Flugplan zu schließen, was uns mit Unterstützung des freundlichen "C" gelingt. Bei Kaffee und Keksen werden wir mit den Gepflogenheiten im Klub vertraut gemacht. Der Beherbergungsbetrieb funktioniert rein auf Vertrauensbasis. Getränke und Essen sind ständig offen verfügbar, das Geld hinterlegt man an vereinbarter Stelle. Lande- oder Abstellgebühren entfallen. Reges Interesse gilt natürlich unserer Z-42. Jeder wollte mal einen Blick unter die Cowling werfen. Zlin Flugzeuge sind zwar in Schweden auch bekannt, aber kein gewohntes Bild auf den Plätzen. So kamen wir ins Gespräch und erhielten viele wertvolle Tipps und Hinweise für unseren Weiterflug durchs südliche Schweden. Nach dem Bezug unseres Zimmers ging es Richtung Hafen mit vom Klub kostenlos bereitgestellten Fahrrädern. Höganäs ist ein kleiner beschaulicher Ort mit schönen Sandstränden und einem Yachthafen. Mit Oel beschlossen wir den Abend und die 1. Etappe unserer Tour auf der Veranda des Fliegerklubs.


21.Juni:

Höganäs

Nach einem kleinen Frühstück treffen wir unsere Flugvorbereitung. Wir entschließen uns zu den beiden großen Binnenseen Vänern und Vättern zu fliegen, der erste Zwischenstopp wird Tidaholm. Das Wetter sieht auch sehr gut aus, blauer Himmel mit ein paar Cumuli. Nur noch tanken, dann kann es losgehen. Der Liter AVGAS kostet derzeit nur 71 Cent. Wir verlassen Höganäs über die 14 und fliegen in nördlicher Richtung ab.



Kullen

Kurz darauf taucht auf unserer 10-Uhr-Position Kullen auf. Kullaberg in Skåne ist Schwedens Kap Horn. Interessanterweise liegt es, wie das richtige Kap Horn, am 56. Breitengrad, allerdings nördlich des Äquators. Danach passieren wir die Kontrollzone von Ängelholm. Allmählich ändert sich das Landschaftsbild. Die Häuser weichen dem Wald, welcher sich bis zum Horizont über hügliges Gelände ausdehnt, nur durchbrochen von vielen kleinen und großen Seen mit glasklarem blauen Wasser. So schön die Gegend auch ist, für reinen VFR etwas anstrengend. Genaues Abfliegen des Kurses ist da schon notwendig, um die wenigen Besonderheiten auf der Strecke zu erkennen. Als eine gute Navigationshilfe dienten die Trassen der Hochspannungsleitungen. Das Mitkoppeln zwischen Karte und Landschaft hatte unter diesen Bedingungen seinen besonderen Reiz.


Auf der 2-Uhr-Position lichtete sich der Wald, die Gegend wurde bergiger und der Vättern kam in Sicht. Tidaholm war also nicht mehr weit. Wir folgen ein Stück der Westküste und drehen dann auf Nordwest zum Platz. Hinter einer Waldkante taucht er auf. Bis auf einen Traktor, der am Rande der Bahn mit Gras mähen beschäftigt war, war weiter kein Betrieb am Platz. Nach dem Ausrollen werden wir begrüßt und zu Kaffee und Gebäck eingeladen. Da sich das Wetter etwas unsicher zeigt, holen wir uns telefonisch eine Wetterberatung und rüsten uns zum Weiterflug Richtung Vänern.


Tidaholm Tidaholm

Schloß Läckö Wir überfliegen ihn bei Schloß Läckö in nordwestlicher Richtung. Der Vänern ist Schwedens größter See mit einer Fläche von 55844 km² . Die Wasserfläche wirkt wie ein Binnenmeer. Das Charakteristische dabei sind die vielen Schären, die das Ufer säumen und auf den größeren steht schon mal eine Stuga, daß Sommerhaus der Schweden.



Sunne Sunne ist unser nächster Zwischenstopp. Ein kleiner Platz zwischen den beiden länglichen Seen Ovre Fryken und Mellan Fryken. Nach dem Passieren der Kontrollzone von Karlstadt sind es noch 20 Flugminuten bis dahin. Dann sitzen wir im Fliegerklub und plaudern bei Kaffee und Keksen über die Fliegerei. Anschließend geht es weiter Richtung Torsby, dem Zielpunkt an diesem Tag. Die Landschaft wird langsam zusehends bergiger und die Seen schlängeln sich in den Tälern dahin. Die Flugzeit bis Torsby beträgt nur noch 17 Minuten. Dann rollt die MN schon auf der Asphaltbahn zum Abstellplatz des Fliegerklubs. Wenige Minuten später haben wir unsere Übernachtung, ein geräumiger Bungalow mit der Bezeichnung "STRATUS" inklusive Küchennutzung im Klub, gesichert. Heiko unterhält sich mit einigen Segelfliegern über ihre Aktivitäten. Da doch die Saison recht kurz ist, muss sich jedes bietende Wetter genutzt werden. Von Vorteil sind natürlich die langen Sommertage hier im Norden. Beim Thema Streckenflug fallen Begriffe wie der "100 km Wald". Da sind Außenlandemöglichkeiten rar und so wird dann mit einem größeren Gewässer vorlieb genommen. Das sahen die Schweden ganz entspannt. Einfach auf das Ufer zu halten. Nach dem Bergen des Flugzeuges wird es getrocknet und mit etwas Glück geht es am nächsten Tag wieder an den Start. So geht die Zeit dahin und uns knurrt der Magen. Mit einer kulinarischen Empfehlung machen wir uns anschließend zu Fuß in Richtung Ortschaft auf.


Torsby Stratus


22. Juni:

Regen und tiefhängende Wolken, zum Teil auf den Bergen aufliegend, lassen uns an diesem Morgen am Boden hocken. Erst einmal frühstücken und weiter sehen. Vorsorglich packen wir schon mal unsere Sachen und schwingen den Besen im Bungalow. Falls das Wetter fliegbar wird, kann es gleich losgehen. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit in einem Oldtimer-Museum in Torsby. So gegen Mittag reißt es dann auf und die Sonne bricht mit aller Kraft durch die Wolken. Da hält uns nichts mehr im Ort. Wir machen die MN startklar, hinterlegen die Übernachtungskosten und ab geht es Richtung Stockholm. Der Regen hat die Luft rein gewaschen, sodass der Blick ungetrübt umher schweifen kann.


Enroute2 Enroute5

Hagfors Nur die Wolken machen uns Sorgen. Erstaunlich schnell wachsen die kleinen Cumuli zu beachtlichen Türmen heran. CBs soweit das Auge reicht. Da hilft nur eins, umkehren bevor wir in die Zange genommen werden. Nach Ausweichplätzen hatten wir uns ja schon in der Flugvorbereitung kundig gemacht, damit es direkt von dieser Position aus nach Hagfors gehen kann. Nach dem ersten Anruf keine Antwort. Noch einmal, aber alles blieb still. Das war doch schon etwas erstaunlich, da dieser Platz sehr gut ausgestattet war. Möglicherweise war er PPR. Wir waren die Einzigen vor Ort. Beim Suchen nach irgendeinem Menschen stießen wir auf eine Halle, welche offen stand und nur mit einer Beach belegt war.


Hagfors Da wir uns schon Gedanken gemacht hatten um einen günstigen Platz, an dem die MN mit den Erdankern befestigt werden konnte, denn das Gewitter baute sich ringsum auf, war das die Lösung. Also, rein in die Halle. Aus diesem sicheren Unterstand betrachteten wir das hernieder gehende Gewitter. Drei Stunden später waren wir wieder in der Luft.

Hagfors

Ein paar kleinere Schauer galt es noch zu umfliegen, bis dann der Vorhang aus Wolkenfetzen aufging und ein blauer Himmel sich beruhigend vor uns ausbreitete. Stockholm war jetzt nicht mehr weit. Also Sichtanflugkarte für Stockholm-Barkarby bereithalten. Ein dänischer Pilot hatte uns diesen Platz empfohlen. Barkarby liegt direkt am Stadtrand und zur U-Bahn, mit der man ins Stadtzentrum gelangen kann, ist es auch nicht sehr weit. Der "Einflugpunkt" für Stockholm-Barkarby ist ein Wasserturm. Von diesem geht es dann direkt in den Gegenanflug. Am Abstellplatz empfängt uns ein schwedischer Pilot, mit dessen Hilfe wir schnell eine Übernachtung finden.

Barkarby Barkarby
Freundlicherweise fährt er uns noch bis zum Hotel. Nun steht dem Besuch der Stockholmer-Altstadt nichts mehr im Wege.

Stockholm Stockholm


23. Juni:


Barkarby Der Morgen begrüßt uns noch mal mit Regen. Mit dem Taxi geht es nach dem Frühstück zum Flugplatz. Das Wetter ist erst mal nicht VFR-fliegbar. Wir verbringen die Zeit in den Räumen des Fliegerklubs mit der Streckenplanung und dem Abhören von ATIS. So gegen Mittag stellt sich eine Wetterbesserung ein, die wir ausnutzen und mit dem Ziel Borglanda auf Öland starten. Aus dem Gegenanflug geht es direkt wieder zum Wasserturm.

Abflug Barkarby

Die Flugstrecke führt uns die Ostküste hinunter Richtung besseres Wetter. Immer begleitet von großen und kleinen Schären, die sich entlang der Küste ausbreiten. Schaumkronen brechen sich am Ufer und wirbeln zwischen den kleinen Schären. Die Stimmung rundet sich mit dem ruhigen Klang des 6-Zylinders ab.

enroute enroute
Auf unserer 10-Uhr-Position hebt sich langsam die Insel Gotland vom Horizont ab. Wenig später ist auch Öland auf 12 Uhr zu erkennen. Beim Anflug auf Borglanda muss unbedingt ein Überfliegen des Schlosses vermieden werden. Da ab und zu im Schlosshof Konzerte stattfinden. Der Platz scheint ganz verlassen. Das Klubhaus ist verschlossen und über Telefon haben wir auch kein Glück.

Anflug Borglanda Borglanda

Kalmar Also geht es weiter Richtung Kalmar zum Tanken. Kalmar ist ein Verkehrslandeplatz mit zwei gekreuzten Bahnen. Problemlos werden wir in den Verkehr eingeordnet. Nur beim Tanken müssen wir den Großen den Vorrang lassen. Vollgetankt starten wir Richtung Höganäs, dem Tagesziel entgegen. In Höganäs gibt es jeden Dienstag (Juni bis August) eine Spezialität vom Grill. Den sogenannten "Flying-Fish". Dahinter verbirgt sich gegrillter, fangfrischer Fisch, garniert mit Zwiebeln, Gurken und Petersilie, serviert auf Brot mit einer würzigen Sauce. Dazu noch ein Bier und der Tag erhält ein würdiges Ende.

Höganäs

24. Juni:

Abreise und Abschied von Schweden, erstmal. Nach dem Frühstück und der Flugvorbereitung wollten wir den Flugplan per Fax aufgeben, aber leider vergebens. Das Faxgerät hatte irgendein Problem. So gaben wir den Flugplan über Telefon auf. Nach Beendigung aller Vorbereitungen stiegen wir mit angelegten Schwimmwesten in die MN und starteten Richtung Dänemark. Der Kopenhagener Luftraum wurde wieder umflogen und dann ging es über Gedser Richtung Purkshof. Da wir gut voran kamen und der Kraftstoff für einen Weiterflug nach Rechlin-Lärtz noch reichte, schlossen wir den Flugplan in der Luft, bei Berlin FIR. In Rechlin-Lärtz machten wir einen Tankstopp und weiter ging es Richtung Kamenz. Berlin umflogen wir westlich, da das Wetter nicht sonderlich gut in östlicher Richtung war. Mit der Landung in Kamenz gehen wunderbare Flugstunden zu Ende, an die wir uns gern erinnern.

Rechlin-Lärtz